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Haiti: Ohne Netz und doppelten Boden

Mrz 22, 2010 | Josef Reich | Category:Support Humanity extension4

Das Medien-Event „Erdbeben in Haiti“ ist vorbei, die Berieselung mit Katastrophenbildern und die zu Großmut, Mitleid und Spende aufrufenden MTV-Spektakel  allerjüngste Geschichte. „Lebbe“ geht weiter, brutal und böse wie eh und je, und dem bösen Herrgott ist zu gratulieren, daß er die ganze, Menschenleben verschluckende – Scheiße bestens passend in die Weihnachtsphase hineinsetzte, da, wo wir reichen weißen Hiesigen bekannterweise ja sowieso für Menschenliebe zu haben sind, voll dummer Hoffnung, mit ein paar Teelöffeln tatkräftiger Reue die gleichgültige Kaltblütigkeit des restlichen Jahres wieder hinunterspülen zu können.

Geblieben ist uns aber auch der Glauben, dass so viele Schwarze auf einem Haufen wie in Haiti, Afrika oder sonstwo, nicht in der Lage sind, ein ordentliches Staatsgefüge auf die Beine zu stellen;  ja, es den Haitianern wohl besser erginge, wenn ihre aus West-Afrika hierher verschleppten Sklaven-Vorfahren sich Anfang des 19. Jahrhunderts nicht gewaltsam vom kolonialen Joch der Franzosen befreit, sondern es noch einige Jahrzehnte länger ertragen hätten.

Der Schriftsteller Tracy Kidder beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Ländern wie Ruanda oder Haiti. Sein hier verlinkter Beitrag ist ein kurzer Abriss, inwiefern Haiti, nachdem es sich die Unabhängigkeit erkämpft hatte, durch französische Strafmaßnahmen und amerikanische Bevormundungen verkrüppelt wurde. Wie so viele, behauptet Kidder ferner, dass die Entwicklungshilfe heute oft mehr dem Interesse derer dient, die sie ausführen, als denjenigen, der sie zugute kommen soll.

Er empfiehlt die Unterstützung der Organisation “Partners in Health” (auf Kreolisch: Zanmi Lasanté) nicht nur, weil hier primär Haitianer Haitianern helfen, sondern auch, weil von den im Zentrum, sprich in Port-Au-Prince, operierenden Krankenhäusern ausländischer Organisationen nicht mehr allzuviel übrig geblieben ist.

Und bei wem sich nun Neugier auf die Geschichte und die Gründe der Misere Haitis breit macht, dem sei durch die folgenden Bücher weitergeholfen:

“Mountains Beyond Mountains”
“Strength in What Remains”

Tracy Kidder in der New York Times: Country Without a Net

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