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Senegal: Müll als Baumaterial

26. Mai 2009 | Von atsil2 | Kategorie:ToW

Müll in einem Slum im Senegal – gefährliches Baumaterial im Überfluss

Die ungezügelte Müllflut aus Dakar-Stadt bahnt sich ihren Weg in die Elendsviertel der Flutopfer in den östlichen Außenbezirken wie Médina Gounass, Pikine oder Guédiawaye

Der Müll der Metropole ist ein Baustoff-Ersatz für die Armen der Stadt – ein lebensgefährliches Aufschüttmaterial um mit stehendem Gewässer fertig zu werden: billig, auf Anhieb verfügbar und unerschöpflich. Es bedeckt den Boden zwischen den bröckelnden Zementhäusern, wird zum Weidegrund für die Ziegen, Spielplatz für die barfüßigen Kinder mit rinnenden Nasen und Brutstätte für die Fliegenschwärme. Hier gedeihen Krankheiten, behaupten Hilfsorganisationen: Cholera, Malaria, Gelbfieber und Tuberkmolose.1

Die Armen der Stadt

Bis vor Kurzem zeigten die westlichen Medien keinerlei Interesse an den Problemen der Bewohner der Außenbezirke von Dakar – nicht bevor ein siebenjähriger Junge in den Slums von Médina Gounass ertrank. Der kleine Junge versank im Sumpf unter der Müllschicht, als er beim Spielen in einem verlassenen Haus auf scheinbar soliden Untergrund trat. Der sumpfige Boden war durch starke Regenfälle entstanden, deren Wasser sich in den tiefgelegenen Arealen ansammelte.

Die Armen der Stadt Dakar leben unter der ständigen Gefahr zu ertrinken und wegen des Mülls zu erkranken. Sie leiden unter den katastrophalen sanitären Bedingungen, unter der mangelhaften Gesundheitsfürsorge und wegen der unzureichenden Wasserversorgung. Ihre Armut ist das Resultat von schlechter Bildung, von Arbeitslosigkeit und wird (laut Nicholas Kristof von der New York Times) durch den Mangel an “Investoren, Jobs und Industrien – etwas, das Afrika am dringendsten braucht” – verursacht.

Plan Jaxaay – ein Versprechen ohne Wert

Illusion Jaxaay!

Nach der Flut 2005 hatte der senegalesische Präsident Abdoulaye Wade publikumswirksam Unterstützung für die Bevölkerung der überfluteten Außenbezirke Dakars versprochen: 52 Milliarden CFA (= 104 Millionen US-Dollar) für den “Plan Jaxaay”. Binnen 5 Jahen sollten 4.000 neue Häusern bezugsfertig zur Verfügung gestellt werden.

Gut 900 Häuser sind bereits fertiggestellt, doch wurden viele von diesen nicht den Flutopfern übergeben, sondern Politikern2, Promis (wie Fanta Keita, dem verstorbenen afrikanischen Judo-Champion3) sowie Günstlinge ndes Präsidenten bzw. Gruppen, deren schnelle Umsiedlung aufgrund städtischer Vorzeigeprojekte und zu Zwecken der öffentlichen Reputation nötig war.

Um das Ganze noch schlimmer zu machen – die neuen Siedlungen sind bar jeglicher Infrastruktur. Es gibt kein Krankenhaus, keinen Markt, keine Schule und keinen öffentlichen Nahverkehr auf Straßen, die auch nicht vorhanden sind. Zudem werden die 4-Zimmer-Häuser von durchschnittlich 20-30 Personen bewohnt – ohne die Aussicht auf Veränderung der beengten Situation:

Demba Saer Seck und seine gut 30 Familienmitglieder leben auf Matrazen, die überall – sogar in der Küche und draußen im Hof – herumliegen. “Ich will mich ja nicht beklagen, aber die Wahrheit ist: es ist zu klein,” sagt Seck. Er würde ja noch weitere Räume dazubauen, aber die Jaxaay-Behörden erlauben es ihm nicht, bis er die gesamte Hypothek getilgt hat. “Das ist viel Geld,” sagt er. “Ich sehe nicht, wie ich das bezahlen kann.”4

Im Laufe der Zeit wuchs der Zorn der Flutopfer und fand Ausdruck in vielfältigen Aktionen: Beginnend bei persönlichen Verpflichtungen über Bürgerinitiativen bis hin zu Straßenunruhen. (Französischsprachige Leser sollten in den frankophonen Internetforen und -Blogs weiterlesen.)

Hilfe und Selbsthilfe

Ein Merkmal der senegalesischen Demokratie ist die Kultur der politischen Zivilcourage. Und einer ihrer Protagonisten ist Joseph Gaï Ramaka, der 2007 ein Video mit dem Titel “Plan Jaxaay”veröffentlichte – ein außergewöhnlicher Film über den Aufschrei der Flutopfer von Dakar.

http://www.dailymotion.com/videox1y8tl

Eine weitere wichtige Teilnehmerin der demokratischen Bewegung Senegals ist die Hip-Hop- und Rap-Szene. Scharfe Kritik an der ambivalenten politischen Haltung von Präsident Wade veröffentlicht insbesondere das Musiklabel Nomadic Wax.

“Demokratie in Dakar” ist atemberaubend. Das ist nicht nur ein Porträt der pulsierenden Musik-Szene – das ist die komplizierte Geschichte dessen, wie Hip-Hop als eine politische Macht im Senegal entstand und wie diese Macht die letzten Wahlen sowohl beflügelt als auch behindert hatte.5

Die Hilfesituation jedoch ist mangelhaft und unzulänglich. Die großen Hilfsorganisationen konzentrieren sich alle auf publikumswirksame Katastrophen. Aufgrund des hohen Ansehens der senegalesischen Demokratie sind die Gefahren, denen die Armen der Stadt Dakar ausgesetzt sind, vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen.

Umso mehr freuen wir uns, Ihnen die Idee vorzustellen, die hinter den Global EcoVillages steht:

ecovillages_jon_lDas Global Ecovillage Network (GEN) ist ein globaler Zusammenschluß von Leuten und Gemeinschaften mit gemeinsamen Ideen, die Technologien austauschen, den kulturellen Austausch fördern, die Böden regenerieren und nachhaltig leben, indem sie der Umgebung mehr zurückgeben, als sie ihr entnehmen.

GENSEN – der senegalesische Zweig von GEN bietet in Zusammenarbeit mit Living Routes Studenten die Möglichkeit, im Ausland zu studieren und die Eco-Dörfer überall im Land mit aufzubauen.

Eine Spende an den SEM Fund (Senegal Ecovillage Microfinance Fund – “Hilfe, die den Kreis der Armut den Entwicklungsländern durchbricht”) wäre eine weitere Möglichkeit, die Flutopfer von Dakar zu unterstützen. SEM verleiht in Zusammenarbeit mit KIVA Micro-Kredite hauptsächlich an senegalesische Frauen.



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Demokratie und Kritik
im Senegal




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African Underground: Democracy in Dakar 1

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