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Orissa-Christen, Guantanamo-Uiguren…

12. Januar 2009 | Von atsil | Kategorie:V.I.P.-Diary

Ulrich Delius, der Asien- und Afrika-Referent der GfbV (Gesellschaft für bedrohte Völker) berichtet über seine Erfolge zur Eindämmung der Christenverfolgung in Indien, über den Einsatz der GfbV für die Guantanamo-Uiguren, für die Minderheit der Tamilen in Sri Lanka, für die Nuba im Südsudan und für die Bevölkerung im östlichen Kongo (Kivu-Region).

Die GfbV hat sich insbesondere in der Vorweihnachtszeit für die christliche Minderheit im indischen Bundesstaat Orissa eingesetzt. Pogromartige Übergriffe von Hindunationalisten gegen Christen riefen internationale Politiker und Hilfsorganisationen im In- und Ausland auf den Plan, die massiven Druck sowohl auf die Behörden des Bundesstaates als auch auf die indische Bundesregierung ausübten. Diese Aktivitäten waren ganz überraschend von Erfolg gekrönt. So wurde ein geplanter Generalstreik der Hindus in Orissa zu Weihnachten abgesagt, der Oberste Gerichtshof Indiens hat die Regierung des Bundesstaates Orissa aufgefordert, die dort lebenden Christen besser zu schützen und mehrere Dutzend Kompanien der indischen Bundespolizei, der Central Reserve Police Force (CRPF), wurden zum Schutz der christlichen Bevölkerung in Orissa stationiert. Die Öffentlichkeitsarbeit der GfbV zielt u.a. darauf ab, die Stationierung dieser Polizisten länger aufrechtzuerhalten, vor allem für die Zeit auch nach den indischen Bundeswahlen im Mai 2009.

Seit gut einem Jahr setzt sich Ulrich Delius verstärkt für die 17 muslimischen Uiguren ein, die in Guantanamo gefangengehalten sind (s. auch den GfbV-Report v. Mai2008).

“Europa muss nun endlich handeln, nachdem es sechseinhalb Jahre tatenlos zugesehen hat, wie diese 17 politischen Flüchtlinge aus China zum Spielball internationaler Machtpolitik wurden und als unschuldige Opfer des weltweiten Kampfes gegen den Terror unter unmenschlichen Haftbedingungen langsam zugrunde gehen”, meint Delius.

Bekanntermaßen wird den 17 Männern mit Rücksicht auf China bisher die Zuflucht verweigert. Mittlerweile schließt neben Deutschland uch Portugal eine Aufnahme von Häftlingen nicht aus. Robert Gates, US-Verteidigungsminister auch unter Obama, begrüßte die Signale aus Berlin und Lissabon als “ermutigend”.

Nach Ulrich Delius hat diese Kurskorrektur mit der Wahl Barack Obamas zu tun und dem Bestreben der EU-Mitgliedsstaaten, international ein gutes politisches Klima zu schaffen. Die GfbV setzt sich weiterhin auf bundesdeutscher und EU-Ebene für eine Aufnahme der inhaftierten Uiguren in Europa ein.

Ein weiteres aktuelles Thema sind die gewaltsamen Ausschreitungen der Regierungstruppen gegen die tamilische Bevölkerung auf Sri Lanka. Über 10.000 Menschen befänden sich seit Weihnachten auf der Flucht.

Delius: “In den letzten Wochen eskalierte der Bürgerkrieg in dem Inselstaat in Südasien, der seit den 80er-Jahren schon mehr als 70.000 Menschen das Leben gekostet hat.”

Die GfbV fordert dazu auf, an den UN-Generalsekretär zu appelieren, sich nicht nur im Gazastreifen, sondern auch auf Sri Lanka für eine dauerhafte Waffenruhe einzusetzen. Zudem bringe der Krieg auf Sri Lanke keine Lösung der Tamilen-Frage, so lange deren Diskriminierung in der Gesellschaft Sri Lankas weiter andauere.

Ulrich Delius lenkt auch weiterhin die öffentliche Aufmerksamkeit auf den wieder aufflammenden Konflikt im Südsudan:

“Vier Jahre nach der Unterzeichnung eines umfassenden Friedensabkommens am 9. Januar 2005 gleichen der Südsudan und die Nuba-Berge einer tickenden Zeitbombe.”

Für die Zuspitzung des Konfliktes macht er die Deutschen mitverantwortlich. Nach seinen Informationen sind in den Nuba-Bergen die dortigen Milizen von Regierungshubschraubern aus kistenweise mit Waffen versorgt worden – namentlich mit der “G3″ des deutschen Waffenproduzenten Heckler und Koch, die im Iran hergestellt wurden (bereits 1967 hatte Heckler + Koch die entsprechende Lizenz an den Iran verkauft)

Delius’ Aufmerksamkeit gilt ebenso für den Kivu-Konflikt im östlichen Kongo. In dieser Region geht es ihm insbesondere um die Problematik der Kindersoldaten und um die weiterhin extreme Gewalt gegen Frauen. Und er bringt unverhohlen sein Unverständnis über das zweierlei Maß zum Ausdruck, mit dem die Weltöffentlichkeit ebenso wie die Vereinten Nationen den Nahostkonflikt in den Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit setzen, während die Konflikte  in Afrika und in Asien, denen über die Jahre hinweg schon Millionen von Menschen zum Opfer gefallen sind, verhältnismäßig wenig Beachtung finden.

Weiterführende Links:

Siehe auch den Dokumentarfilm “Tödliche Geschäfte – Waffen aus Deutschland” von Peter Ohlendorf.

Mit der fachlichen und finanziellen Unterstützung durch den Evangelischen Entwicklungsdienst suchen nun europäische Hilfsorganisationen nach einem Weg, den Teufelskreis der Gewalt im Südsudan zu unterbrechen und die Waffen wieder einzusammeln.Der Film berichtet über das Projekt und versucht herauszufinden, wie das deutsche G3 in den Sudan gelangen konnte: vorbei an der Öffentlichkeit, die von solchen Rüstungsexporten so gut wie nichts wusste und die auch erst langsam zu ahnen beginnt, was der Export von Gewehren in Länder wie den Sudan bedeutet.

waffeng3

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