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Säure-Attacken: Terror gegen Frauen

1. Dezember 2008 | By atsil | Category:Read the World

Nicholas D. Kristof schreibt in seiner Sonntagskolumne über eine andere Art des Terrorismus in Pakistan:

Säure-Attacken

Terrorismus in diesem Teil der Welt bedeutet “normalerweise” Bombenexplosionen oder Hotelbrände – wie zuletzt in Mumbai (Bombay). Neben dem öffentlichen und brutalen Terrorismus, der täglich über unsere Bildschirme flimmert, gibt es eine äußerst grausame Form von Terror, der fast keine Aufmerksamkeit erhält und sich deshalb im Verborgenen weiterverbreitet: es geht um Säure, die Frauen ins Gesicht geschleudert wird und sie abscheulich verunstaltet.

Nicholas D. Kristof hat solche Säureattacken in Pakistan untersucht. Diese Angriffe werden im allgemeinen dazu genutzt, Frauen und Mädchen von Afghanistan bis hinüber nach Kambodscha zu terrorisieren und sie zu unterwerfen. Männer werden fast nie mit Säure angegriffen. Denn  in diesen Gegenden der Welt bedeuten Frauen so gut wie nichts, ihre Angreifer werden selten belangt und der Verkauf von Säuren wir normalerweise nicht kontrolliert.

Im November haben in Afghanistan Männer auf Motorrädern Säure auf eine Gruppe von Schulmädchen geworfen. Ein 17jähriges Mädchen namens Shamsia, sagte Reportern noch im Krankenhaus: “Ich werde zur Schule gehen und wenn sie mich umbringen. Meine Botschaft an den Gegner lautet: Wenn ihr mir das hundert Mal antut, werde ich trotzdem meine Studien fortsetzen!”

[youtube]http://de.youtube.com/watch?v=w_Jjy_eVaGI[/youtube]

Als Nicholas D. Kristof Naeema Azar begegnete – einer pakistanischen Frau, die einst eine attraktive, selbstbewußte Immobilienmaklerin gewesen war -, bedeckte ein schwarzer Umhang ihren Kopf. Als sie den Umhang entfernte, schreckte Kristof entsetzt zurück:

Säure hatte ihr linkes Ohr ganz und den Großteil auch ihres rechten Ohrs weggeätzt. Sie erblindet durch die Säure, die auch ihre Augenlider und fast ihr ganzes Gesicht weggefressen hatte – bis auf die Knochen:

“Schauen Sie Naeema an, sie hat ihre Augen verloren” seufzt Shahnaz Bukhari, eine pakistanische Aktivistin, die eine Hilfeorganisation für Frauen wie Naeema gegründet hat. “Jedes Mal, wenn ich sie sehe, muß ich weinen”

Naeema hatte sich von ihrem Mann scheiden lassen. Als dieser nach der Scheidung kam, um sich von seinen Kindern zu verabschieden, überschüttete er seine Ex-Frau mit Säure.

“Mir fiel das Fleisch von meinen Wangen, sodaß man die Knochen sehen konnte. Ich schrie nur noch”

Der Vater ihrer drei Kinder wurde nie festgenommen und verschwand.

Frau Azar lebt von der Wohltätigkeit ihrer Freund und durch die Unterstützung von Frau Bukharis Gruppe, der Progressive Women’s Association (www.pwaisbd.org). Frau Bukhari sammelt Geld für einen guten Rechtsanwalt für Naeema, um die Polizei dazu zu bewegen, Jamsheed, Naeemas Ex-Mann anzuklagen und ihm vor allem die Kosten einer Augenoperation aufzubürden, durch die Naeema eventuell wieder sehen könnte.

Säureattacken und das Verbrennen von Ehefrauen sind normal in bestimmten Gebieten Asiens, weil die Opfer über keinerlei Stimme verfügen in diesen Gesellschaften: sie sind arm und sie sind weiblich. Der erste Schritt für die Weltöffentlichkeit ist einfach: Notiz nehmen und diesen Frauen eine Stimme verleihen.

Frau Bukhari hat seit 1994 die Fälle dokumentiert, in denen Frauen verbrannt, verbrüht oder mit Säure verätzt wurden: es waren rund 7.800. Und nur zwei Prozent der Täter wurden Urteile verkündet.

Die US-Senatoren Joe Biden und Richard Lugar befürworteten ein Internationales Gewalt-gegen-Frauen-Gesetz, das eine ganze Bandbreite von Maßnahmen vorsieht, um diese Brutalitäten aufzudecken und die Regierungen in den betroffenen Ländern dazu veranlaßt, dieses Gesetz zu beachten. Hoffen wir, daß der neue Einfluß von Mr. Biden dazu beiträgt, daß das Gesetz den nächsten Kongreß passiert.

Quelle:

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