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Mit Feuerholz-Alternativen gegen Vergewaltigung

11. Dezember 2008 | Von atsil | Kategorie:Aktuell2 Genozid in Darfur Videos

“Beyond Firewood” heißt das Motto einer wissenschaftlichen Konferenz, die am 11. und 12. Dezember 2008 im Hyatt Regency in Neu Delhi, Indien, stattfindet. Veranstalterin dieses erstmals einberufenen Treffens namhafter Organisationen und Wissenschaftler zur Untersuchung der Möglichkeiten von alternativen Feuerungsmethoden und hocheffizienten Öfen ist die “Women’s Commission for Refugee Women and Children” (Frauenkommission für Flüchlingsfrauen und -kinder).

Die Konferenz bringt zusammen: Entwickler, Praktiker und Nutzer von alternativen Brennstoffen, Energietechnologien und solcher physischer Abwehrstrategien, die für den Einsatz unter humanitären Rahmenbedingungen geeignet sind. Es sollen Möglichkeiten zum Erfahrungaustausch gegeben, neue Verbindungen zwischen Forschern und Praktikern geknüpft sowie eine empirische Basis  geschaffen werden für brennstoffspezifische Interventionen bei humanitären Einsätzen. Zusätzlich möchte die Konferenz den Kontakt zwischen Technikexperten und solchen Mitarbeitern humanitärer Organisationen ermöglichen, die an Orten und in Gegenden tätig sind, die solcher Eingriffe dringend bedürfen.

Das Problem:

Die Nahrung, die von den Hilfsorganisationen an die Flüchtlinge verteilt wird, muß vor dem Verzehr gekocht werden. Lange Zeit wurde die Gewährleistung eines sicheren Zugangs zu Brennmaterialien von der globalen Hilfsgemeinschaft vernachlässigt. Frauen und Mädchen müssen sich selbst verteidigen und nach Jahren des sexuellen Mißbrauchs haben sie sich an die brutalen Übergriffe während der Suche nach Feuerholz außerhalb ihrer Camps gewöhnt. Letzten Endes haben sie sich der Vergewaltigung ergeben.

Darfur firewood

This is a partnership between Jewish World Watch and the Solar Cooking Foundation.

Die Lösung:

In dem Maße, in dem die Abhängigkeit von feuerholzbetriebenen Öfen reduziert wird, im gleichen Maße nimmt das Außmaß der Vergewaltigungen von feuerholzsammelnden Mädchen und Frauen ab.

solarkocher

Die Women’s Commission for Refugee Women and Children führt die internationalen Bemühungen bei der Suche nach sicheren und nachhaltigen Alternativen zu Feuerholz an – als da wären:

  • Saubere Brennstoffe und Öfen
  • Solarkocher
  • Innovative, noch zu entdeckende Energien

Im Folgenden zwei der wichtigsten Informationsplattformen im Internet zum Thema “alternative Öfen für Flüchtlingsfrauen”:

dort werden als Kochalternativen aufgeführt: weltweit 19 verschiedene Ofenarten, die regionalspezifisch entwickelt und vor Ort eingesetzt werden.

Auf beiden Websites werden zusätzlich zu Solarkochern die mit ihnen sinnvoll kombinierbaren Wärmespeicher-Kocher vorgestellt: Kochkisten, Garkochkisten und Solarkochkisten

Weitere wichtige Kocher sind der Ethanol-Kocher sowie der Rocket-Stove (Raketen-Ofen) – dessen Darfur-Variante der SixBrick-Rocket-Stove ist.

Exemplarisch möchten wir auf Fairplanet folgende Projekte vorstellen:

GAIAH – Kebribeyah, Äthiopien – Biomasse-Ofen

Im äthiopischen Lager Kebribeyah (mit ca. 17.000 Flüchtlingen aus Somalia) geht es in erster Linie zwar um Umweltprobleme – die ehemals baumreiche Region rund ums Lager ist durch den Holzbedarf der insgesamt rund 600.000 somalischen Flüchtlingen buchstäblich verwüstet worden -, aber auch dort sind die feuerholzsuchenden Flüchtlingsfrauen- und mädchen der Gefahr ausgesetzt, belästigt, vergewaltigt oder durch andere Gewalttaten bis hin zum Mord terrorisiert zu werden. Ihre tägliche Suche nach Feuerholz kann bis zu acht Stunden dauern. Hier hat die Gaia Association – Preisträger des Ashden Awards 2008 – an 1.780 Familien einen Ethanol-betriebenen Ofen verteilt, um ihnen ein sauberes, also umweltschonendes und risiko- und gefahrenfreies Kochen zu ermöglichen. Das Ethanol wird aus der Zuckerrohrmelasse lokaler Zuckerpressen hergestellt.

Mehr Informationen:

EETD – Darfur Stoves Project – Hocheffizienter Holz-Ofen

Initiator: Ashok Gadgil vom Institut für Energieforschung (Environmental Energy Technologies Division - EETD) am LBNL (Lawrence Berkeley National Laboratory):

Die Ernährungssituation der Flüchtlinge in und aus Darfur war erschreckend. Bis zu 80% der Flüchtlinge verkauften ihre Lebensmittelrationen um Brennstoff zu kaufen. Sogar bei guter Lebensmittelversorgung konnten sich ebenso viele Familien aufgrund von Brennstoff-Mangel nicht ausreichend Mahlzeiten zubereiten.

In Zusammenarbeit mit den Engineers without borders (der amerikanischen Sektion von “Ingenieure ohne Grenzen”) haben Gadgil und seine Studenten nach zweijähriger Entwicklung und nach Feldversuchen vor Ort in Darfur den “V7″-Ofen fertigentwickelt. Es wird geplant, die Herstellung des “V7″ ganz in Darfur stattfinden zu lassen.

Mehr Informationen:

CARE/DARE/LHL/UNHCR – Darfur – Save80, hocheffizienter Holz-Ofen

Der bislang effizienteste und beliebteste Holz-Ofen ist der Save80. Er verbraucht lediglich 20% des sonst benötigten Holzbedarfes. Hergestellt wird er in Deutschland und als Set mit passendem Topf und einer Warmhaltebox für knapp über 100 Euro verkauft.

Erfunden hat den Ofen ein Hamburger Unternehmer aus der Metallbranche. Der erkannte, dass Solarkocher in vielen Teilen Afrikas  kaum von Nutzen sind. In Gegenden wie z.B. In Nordnigeria wirbelt der Harmattan-Wind über Monate so viel Staub in die Luft, dass die Sonnenkraft zum Kochen nicht ausreicht. Außerdem bereiten viele Familien das Abendessen, ihre Hauptmahlzeit, erst nach Sonnenuntergang zu.

Save80-Projekte werden gefördert von der Hilfsorganisation Lernen-Helfen-Leben e.V. (LHL), einem initiativen Zusammenschluß ehemaliger Entwicklungshelfer, denen sich weitere Freiwillige angeschlossen haben. Zusammen mit der nigerianischen NGO D.A.R.E. und mit Unterstützung von atmosfair Deutschland vertreibt LHL den Save80 in den nördlichen Bundesstaaten Nigerias zu einem ermäßigten Preis. Weitere Projekte im Tschad, in verschiedenen Lagern der Flüchtlinge aus Darfur, erhalten den Save80 vom UNHCR (dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen) sowie von CARE Deutschland . Die Women’s Commission for Refugee Women and Children berichtet über diese Projekte im Rahmen von “Beyond Firewood”.

save80

Mehr Informationen:

Stephen Harrigan – Darfur2 Solar Cooker-Sets

Der BORMA-Solarkocher ist mit ca. 5 Euro der preiswerteste und höchsteffiziente Außenseiter unter den Solarkochern.  Sein Erfinder ist Stephen Harrigan von Darfur Peace & Development, der auch den einfach zu bedienenden Solarkocher aus Karton, Aluminium- und Plastikfolie ertüftelt hat. Zu beiden Produkten konzipierte er auch die Trainingseinheiten für den Gebrauch vor Ort in den Flüchtlingslager sowie die Workshops zu deren Herstellung (auch als Set) und er organisiete die jeweiligen Projekte, um die Kocher den Darfur-Flüchtlingen zukommen zu lassen.

BORMA Solarkocher solar cooker workshop

Mehr Informationen:

Weiterführende Links:

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2 Kommentare
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  2. Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich war in diesem Jahr auf Partnerschaftsbesuch in Tansania.
    Dort stellte ich fest, dass zu 90% mit Holzkohle gekocht wird.
    Ihre Informationen zu dem Save80 Ofen finde ich sehr gut!
    Können Sie mir bitte mitteilen, wo ich diese Öfen erstehen kann. Ich möchte gerne über die Kirchengemeinde einige Öfen an unsere Partner verschicken.
    Mit freundlichen Grüßen
    Luise Flender

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