Globales Wasserproblem durch Biosprit
23. November 2008 | Von atsil | Kategorie: BiospritImmer mehr Experten warnen vor einem weltweiten Wasserproblem - verursacht durch die gesteigerte Produktion von Kraftstoffen aus Biomasse.
Bereits heute kommen 70% aller Wasserentnahmen der Landwirtschaft zugute. Die Produktion von Soja oder Mais zur Erzeugung von Biosprit erfordert extrem viel Wasser: Um einen Liter Biodiesel zu erzeugen, bedarf es 2.400-3.500 Liter Wassers! 2.000-3.000 Liter werden für die Erzeugung von einem Liter Ethanol benötigt. Um den Tageskalorienbedarf eines Menschen beispielsweise in Tunesien oder in Ägypten zu decken, brauchen wir 2.500 Liter Wasser pro Tag - doppelt so viel im US-Bundesstaat Kalifornien.
Wenn alle Biosprit-Vorgaben und -zeitrahmen der Regierungen weltweit eingehalten werden, dann können wir eine Steigerung der Wasserentnahmen um ein Drittel erwarten. Um das globale Energieproblem mit Biosprit zu beantworten, benötigen wir viel mehr Wasser als wir es erübrigen können. Es gibt einfach nicht genug Wasser in Zeiten, da die Grundwasserspiegel ständig sinken. Es gibt zwar Ersatz für Erdöl, jedoch keines für Wasser.
Quellen:
- 3500 Liter Wasser für einen Liter Biosprit (DIE WELT)
- Experten fürchten Wassermangel durch Biosprit-Boom (DER SPIEGEL)
- Another inconvenient truth (International Herald Tribune)
Zum Begriff Biosprit:
Heißt das nicht eigentlich Biokraftstoffe?
Die Bezeichnung Biokraftstoffe ist irreführend, denn die meisten Menschen verbinden mit dem Begriff “Bio” etwas Positives, Gesundes und Umweltfreundliches. Doch beim Anbau der Energiepflanzen handelt es sich keinesfalls um eine nachhaltige und ökologische Produktion. Biokraftstoffe gehen zu Lasten von vielen Menschen im Süden und der Umwelt. Deshalb sprechen INKOTA und viele andere Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen von Agrokraftstoffen.
Quelle: „Globale Landwirtschaft – Agrokraftstoffe“ (PDF)
Als im August 2008 traditionell die WeltWasserWoche in Stockholm stattfand, gingen während der Sitzung “Food and Bioenergy” die Expertenmeinungen über die Belastung der Umwelt bzw. Ausbeutung der Land- und Wasserressourcen erheblich auseinander.
Als einer der Seminarteilnehmer behauptete, daß die Erzeugung von Biosprit kaum Auswirkungen (weniger als ein Prozent!) auf die Nutzung von Land und Wasser hat, widersprach Professor Ravindranath vom Wissenschaftlichen Institut in Bangalore, Indien) und verwies auf die erheblichen nationalen und lokalen Unterschiede, die 3-70% ausmachen können! Egal, um wieviele Prozentanteile es genau geht: Die Autoren des Gallagher-Reports 2008 sind sich einig, daß die Erzeugung von Biomasse für pflanzliche Kraftstoffe nicht auf landwirtschaftlichem Anbaugebiet stattfinden darf, das normalerweise für die Nahrungsproduktion verwendet wird.
Links:
- Die Biosprit-Lüge: Nachwachsender Wahnsinn (www.regenwald.org)
- Linksammlung zum Gallagher-Report 2008 auf der Website des britischen Transportministeriums
- Deutsche Zusammenfassung des Gallagher-Reports 2008 (berlinpolis)
- Internationales Institut f. Wassermanagement (IWMI)
- IWMI-Jahresreport 2007-2008 (PDF)

