Carl Hodges: Seawater Farming

4. November 2008 | Von atsil | Kategorie: Klimawandel, Videos

Ein Artikel in der Los-Angeles-Times brachte der südkalifornischen Leserschaft einen Mann in Erinnerung, der sich seit Mitte der 1960er Jahre auf  “meerwasserbasierte Landwirtschaft” spezialisiert hatte. Die Rede ist von Carl Hodges, dem 71jährigen Atmosphärenphysiker.

Im Gegensatz zu den meisten Atmosphärenphysikern dienten Hodges’ Untersuchungen nicht der Luft- und Raumfahrt, vielmehr beschäftigte er sich den Großteil seines Lebens damit, wie Menschen in Gegenden ohne ergiebigem Ackerboden und ohne frischem Wasser sich ernähren können. Und während andere Klimaforscher theoretisierten und diskutierten, entwickelte Hodges Lösungen für die Bewohner der Zukunft-Szenarios:

Meerwasser kann kanalisiert und in die Wüsten geleitet werden. Die von seinen Kollegen prognostizierte Menge an Schmelzwasser ergäbe drei Flüsse so groß wie der Mississippi. So könnte nicht nur der Meeresspiegel reguliert, sondern auch 50 große Meerwasserfarmen erbaut und versorgt werden.

Seine erste Meerwasserfarm errichtete Hodges im ariden Eritrea Ende der 1990er. Seine Gesamtinvestitionen beliefen sich auf über 20 Millionen US-Dollar!

Den Fluß umkehren: Wasser und Nahrung aus dem Meer auf das Festland

Ein Bereich von unmittelbarer globaler Tragweite ist der zunehmende Kohlenstoffgehalt der Atmosphäre. Ein anderer ist die Abnahme des Kohlenstoffgehalts des Bodens. Diese beiden Phänomene sind Bestandteil eines einzigen Problems. Wir müssen den Fluß des Kohlenstoffs aus der Atmosphäre in das Erdreich erhöhen.

Eine der Technologien, die dieses leisten können, ist die meerwasserbasierte Landwirtschaft, bei der Meerwasser und Nährstoffe aus der See auf das Festland verbracht werden für die Produktion von Meerestieren und für die Zucht von Salzpflanzen, auch Halophyten genannt.

Weiterhin können diese Farmen als integrale Bestandteile von neuen meerwasserbasierten Gemeinschaften errichtet werden, die an vielen Orten entlang der Küstenregionen der Erde zu entwickeln sind. Wenn die Weltbevölkerung in dem prognostizierten Maße anwächst bevor sie sich stabilisiert und wenn die Hälfte dieser Bevölkerung innerhalb von 50 km zu den Meeresküsten der Welt wohnen bleibt (wie sie es jetzt bereits tut), dann könnten meerwasserbasierte Gemeinschaften eine der besten Alternativen zu neu zu entwickelnden Gesellschaftsformen sein: umweltfreundlich und mit guten Verdienstmöglichkeiten.

Und so geht es:

Wir leiten Meerwasser durch einen Kanal ins Landesinnere, wir heben den Wasserspiegel um einige Meter, züchten Fische und Krabben und leiten dann das angereicherte Zuchtwasser zur Bewässerung auf Felder auf denen Halophyten wachsen.


Eine hervorragende Salzwasserpflanze ist Salicornia, auf deutsch: Queller.

In jungem Zustand ein ausgezeichnetes, wohlschmeckendes Gemüse.

  • Aus ihren Samen, die 20% der Biomasse ausmachen, kann Speiseöl,
  • aus den pflanzlichen Überresten (70% der Biomasse) kann ein hochproteinhaltiges Mehl für Mensch und Tier - ähnlich wie bei der Sojabohne - gewonnen werden.
  • Hinzukommt noch die Gewinnung von Biodiesel aus der Biomasse der Salicornia. Die NASA berechnete, daß eine Anbaufläche von der Größe der Sahara bis zu 90 Prozent des weltweiten Energiebedarfs abdecken könnte.
  • Aus dem Trockenmaterial der Pflanze kann außerdem noch ein Kompositbaustoff produziert werden


Eine für den Umweltschutz wichtige Funktion erfüllt die Salicornia gleich dreifach:

  • Sie trägt zur Kühlung der Umgebung bei.
  • Sie bindet den Erdboden und verhindert seine Abtragung durch die Winde.
  • Vor allem jedoch bindet sie Kohlenstoff, indem sie diesen durch ihr Wurzelwerk an den Boden weitergibt.

Carl Hodges gehört zu jenen Wissenschaftlern, die der Auffassung sind, daß neben der Vegetation (Pflanzen) und der Atmosphäre die Böden die größten Kohlenstoffspeicher unseres Planeten sind:

“Organische Komponenten unserer Böden sind die grössten Speicher von Kohlenstoff, die mit dem Luftraum in Verbindung stehen.” (United Nations Food & Agriculture Organisation)

  • Vegetation:      650 Gigatonnen,
  • Atmosphäre:    750 Gigatonnen,
  • Böden:            1500 Gigatonnen

Preis-Leistungs-Verhältnis: “Das Unterstützen natürlicher Prozesse, die CO2 aus dem Luftraum nutzen, ist voraussichtlich der effizienteste Weg atmosphärische CO2-Werte zu reduzieren.” (US Department of Energy)

Quelle: www.soilcarbon.com - case studies (PowerPointPräsentation)

Dies erreicht sein Seawater-Farming-Projekt nicht nur durch die Salicornia, vielmehr durch eine zusätzliche “Aufforstung” des Farmgebietes mit salztoleranten Mangroven.  Die Erträge und Gewinne bereits nach einem Jahr sind erstaunlich! Denn zusätzlich erhält die Bevölkerung Baumaterial und Feuerholz aus der Mangrovenernte.

Hinzukommt ein wachsender Vogelbestand: über 200 Vogelarten und viele Tiere haben sich seit Projektbeginn angesiedelt.

Vor allem jedoch hat Hodges den Menschen in dieser kargen Wüstenlandschaft in Eritrea geholfen:

  • Schulische und berufliche Bildung von der Alphabetisierung über Fachausbildungen bis hin zum Expertentum.
  • Produktion und Verkauf von Shrimps, Fischen, Futtermittel, Baustoffen, Speiseöl.
  • Aufbau und Erweiterung der Tierzucht.
  • Selbstversorgung durch eigene Energieproduktion.
  • Erhöhung des Lebensstandards.
  • Zuversicht und Selbstbewußtsein.
  • Zukunft

Während Hodges am Rande der Sonora-Wüste in Mexiko  ein neues Projekt - die Seawater Farms Bahia Kino -  installiert, ist sein eritreisches Pilot-Projekt den politischen Unruhen zum Opfer gefallen. (Siehe auch auf Google Maps oder Google Earth dasSatellitenbildder eritreischen Küste ca. 10 km nördlich von Massawa/Massaua!)

Auf seiner Website drückt Carl Hodges seine Hoffnung aus, den Menschen an Roten Meer bald wieder beim Wiederaufbau ihrer Gemeinschaft helfen zu können. Wer ihn dabei unterstützen will - bitte hier spenden!

Links:

Eritrea-Projekt

Deutsches Forschungsprojekt:

Israelisches Forschungsprojekt:

Erläuternde Links:

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