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Darfur-Rebellen, Klanstreitigkeiten und sudanesische PR

29. Oktober 2008 | Von atsil | Kategorie:Genozid in Darfur

Immer häufiger hört und liest man in den letzten Tagen und Wochen über verwerfliche Aktionen von Darfur-Rebellen gegen Angehörige der UNAMID-Friedenstruppen unterschiedlicher Nationalität, gegen sudanesische Regierungstruppen oder gegen Mitarbeiter ausländischer Firmen.

Schlagzeilen verursachte die Entführung von 9 Mitarbeitern der chinesischen Firma CNPC (China National Petroleum Corporation). Während die sudanesische Regierung immer noch behauptet, daß Entführung und Ermordung von fünf Chinesen auf das Konto der JEM-Rebellen aus Darfur geht, steht offensichtlich sowohl für die Chinesen als auch für andere – z.B. türkische – Medien fest, daß es Mitglieder des Awlad-Omran-Klans – eines Unterklans des arabischen Al-Misseriya-Stammes – waren, die ihrem Anspruch auf eine höhere Beteiligung am Ölreichtum der Regierung durch kaltblütigen Mord Nachdruck verliehen. Al-Misseriya bedeutet auf arabisch übrigens: Ägypten.

Der arabische Al-Misseriya-Klan (in der sudanesischen Provinz Kordofan) war zuletzt im August 2008 in die Schlagzeilen geraten, als bei bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen seinen Angehörigen und denjenigen des gleichfalls arabischen Al-Misseriya- resp. Baggara-Unterklans Al-Rezegat (Rizeigat) im südlichen Darfur über 60 Menschen getötet wurden.
Quelle: mirayafm.com – eine Infoplattform der UNMIS

Die Al-Misseriya erlangten verwerfliche Berühmtheit durch eine ununterbrochene Reihe von Massakern, die sie, die arabische Elite von Abyei, seit Mitte der 1960er Jahre an der afro-sudanesischen Ngok-Dinka-Bevölkerung dieses Distrikts begingen.

Siehe hierzu auch:

So waren es nicht irgendwelche Rebellen aus dem erdölreichen Süd-Kordofan, an denen sich die Darfur-Rebellen ein Beispiel nahmen, sondern es sind umgekehrt die Reitermilizen in Darfur, die Janjaweed – aus dem gleichen Stamme der Baggara – alias Al-Misseriya -, die sich ein Beispiel genommen haben am Landraub, an der Ausbeutung und an der Ausrottung der als “minderwertig” – weil nicht- oder weniger arabisch – angesehenen Bevölkerung durch die Al-Misseriya-Eliten in Kordofan (auch wenn man sich ab und zu “brüderlich” niedermetzelt):

However, other Al Misseriya’s elements [...] use their being defined by the State as Arabs as a convenient way of occupying other peoples’ land with impunity and discard the ethics of good neighborliness. Indeed, the ethnic cleansing and devastation of the Abyei area with impunity by its neighbors unfortunately encouraged the like-minded elements in the Darfur region, the so-called Janjaweeds, to follow suit, hence the current conflict in Darfur.

Quelle: Sudan’s identity and the notion of broken promises (SudanTribune.com)

Zwei Dinge sind nötig, um sich in diesem Informationsdschungel einigermaßen zurechtzufinden:

1. Eine ethnische Karte des Sudan bzw. der Darfur- und der Kordofan-Provinzen:

2. Eine Übersicht über die Rebellengruppierungen der drei Darfur-Bundesstaaten, Kenntnis ihrer Geschichte sowie ihrer Forderungen und Ziele:

Die Region Darfur wird von verschiedenen Stämmen bewohnt, die man in zwei Gruppen einteilen kann: schwarzafrikanische Stämme wie die Fur, Masalit und Zaghawa und arabische Stämme, die unter der Bezeichnung Baggara zusammengefasst werden und seit dem 13. Jahrhundert in diese Region vordringen. Die Begriffe „schwarzafrikanisch“ und „arabisch“ sind dabei weniger als ethnische Unterscheidung denn als sozial konstruierte Identitäten zu verstehen, da von einem rein ethnischen Standpunkt nur 2 % der sudanesischen Bevölkerung arabischer Abstammung sind. Beide Gruppen gehören dem Islam an – was die Beziehung zwischen ihnen nicht positiv beeinflusst hat: Bereits das vorkoloniale Fur-Sultanat führte häufige Auseinandersetzungen mit den Baggara, insbesondere mit den Rizeigat.

Im Februar 2003 eskalierte der Konflikt in der Region Darfur, nachdem afrikanische Milizen, die SLA (Sudanesische Befreiungsarmee) und die JEM (Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit), staatliche Einrichtungen angegriffen hatten, um sich gegen die Marginalisierung durch Khartum zu wehren.

Die SLA, die sich im März 2003 zur SLA/M erklärte, wird neben der Ethnie der Meidob vor allem von Darfurs größter Ethnie, den Fur unterstützt.

Die Anhänger der Justice and Equality Movement (JEM) und SLA-Unity sind hauptsächlich Halbnomaden der Ethnie der Zaghawa. Diese lebt zu beiden Seiten der tschadisch-sudanesischen Grenze. Das erklärt auch, weshalb das JEM und die SLA-Unity Hilfe von Tschad erhalten. Tschads Diktator Idriss Déby ist nämlich selber ein Zaghawa.

Die SLA/M ist in die beiden Hauptgruppen SLM-Unity und die SLA unter Minni Arcua Minnawi gespalten. Von allen Rebellengruppen in Darfur unterzeichnete nur Minnawi im Mai 2006 in Abuja das Friedensabkommen mit der Regierung. Einige mit diesem Schritt nicht einverstandene SLA-Kommandeure liefen seitdem mit ihren Leuten zur SLM-Unity über. Es gibt außer den genannten drei Rebellengruppen weitere bewaffnete, teilweise unabhängig operierende Einheiten. Die Lage ist unübersichtlich, klare Abgrenzungen sind schwierig.

Quelle: de/wikipedia.org

Hinter der Entführung der Chinesen soll nach Angaben der Regierung Khartoums die Rebellengruppe JEM stehen, die sich “Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit” nennt.

Wie aber kommen Zaghawa-/JEM-Rebellen nach Süd-Kordofan?

Weiterführende und ergänzende Informationen:


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