Der Kern der Sache
29. August 2008 | Von atsil | Kategorie: BiospritLetzte Woche rauschte es wild im Britischen Blätterwald. Der angesehene Think-Tank “Policy Exchange” veröffentlichte einen Bericht, wonach die Subventionen für Biosprit beendet und die Gelder stattdessen in den globalen Schutz der Wald- und Moorlandschaften investiert werden sollten.
DER KERN DER SACHE
Kohlenstoffdioxid-Emission in Wäldern und Mooren
Dominick Spracklen, Gil Yaron, Tara Singh, Renton Righelato und Thomas Sweetman
Hrsg. Ben Caldecott
Policy Exchange ist eine unabhängige Denkfabrik, deren Aufgabe darin besteht, neue politische Ideen zu entwickeln und voranzutreiben, die eine freie Gesellschaft fördern, welche von starken Gemeinschaften, persönlicher Freiheit, beschränkter Herrschaft, nationalem Selbstbewußtsein und einer unternehmerischen Kultur getragen wird.
In diesem Bericht behaupten wir, daß das Verhindern von Waldzerstörung, die Förderung von Aufforstung bzw. Wiederaufforstung und die Beendigung der Zerstörung von Moorlandschaften mit zu den billigsten und effektivsten Mitteln der globalen Reduktion von Treibhausgas-Emissionen gehören.
Jedes Jahr generiert die Zerstörung der Wälder und der Moorlandschaften mehr Treibhausgas-Emissionen als das globale Transportwesen oder als jene Mengen an CO2, wie sie von den Vereinigten Staaten oder von China (jährlich) verursacht werden. Die Beendigung dieser Zerstörung kann verhältnismäßig schnell und billig bewirkt werden. Das Verhindern der Wald- und Moorlandzerstörung bedarf keiner technologischen Entwicklung und nur geringer finanzieller Investitionen. Diese Methode der Treibhausgasreduktion ist dramatisch billiger als alle anderen, gegenwärtig zur Verfügung stehenden schadensbegrenzenden Technologien - nämlich annähernd 0,1 US-Dollar pro Tonne CO2 !
Es wäre eine bemerkenswerte wirtschaftliche Entscheidung, wenn die Staaten der Ersten Welt für die Vermeidung von Zerstörung von Wäldern und Mooren eine Geldsumme in der Höhe ausgäben, wie sie sie heute für Biosprit-Subventionen aufbringen (15 Milliarden US-Dollar). Dies würde jene Gesamtkosten halbieren, welche für die Lösung der durch den Klimawandel verursachten Probleme benötigt werden. Zusätzlich würde der Schutz dieser Habitate eine Fülle von hochwertigen Ökosystem-Dienstleistungseinrichtungen hervorbringen, insbesondere in den ärmsten Ländern.
Für zeitgenössische Regierungspolitik nimmt der Schutz unserer Wald- und Moorlandschaften keinen besonders hohen Stellenwert ein. Das EU-Emissionshandelssystem (EU-ETS) beinhaltet nicht den Schutz dieser Habitate, der auch durch das Kyoto-Protokoll der Vereinten Nationen sträflich außer Acht gelassen wird. So wurde beispielsweise nur ein einziges Aufforstungsprojekt durch den im Kyoto-Protokoll enthaltenen “Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung” (Clean Development Mechanism - CDM) für beachtenswert befunden.
Der Kern der Sache liegt in einem Umstand, der offensichtlich erst den Policy Exchange-Denkern aufgefallen ist:
Wenn Wälder wachsen, entziehen sie der Atmosphäre Kohlenstoffdioxid. Durch Abholzung allerdings wird Kohlenstoff freigesetzt. In gleicher Weise haben Moore den Kohlenstoff aus pflanzlicher Substanz über Jahrtausende hinweg angesammelt.
Wenn sie austrocknen - häufig in Folge von Abholzung - setzen auch sie riesige Mengen an Kohlenstoff frei. Mit anderen Worten: intakte Wälder und Moore können die Emission von Kohlenstoffdioxid unterbinden, während sterbende zuvor gespeichertes Kohlenstoffdioxid freigeben.
Weiterführende Links:
Mehr Treibhausgase durch Biokraftstoff-Boom (umwelt.scienceticker.info)
UK ’should end biofuel subsidies’ (BBC news)
Policy Exchange Experts (Think Tank)
- Dr. Oliver Marc Hartwich, Chief Economist bei Policy Exchange
- Oliver M. Hartwich auf der Achse des Guten
- Oliver M. Hartwich - Beiträge
CO2 in de Atmosphäre und der Treibhauseffekt (wikipedia)
Kyoto-Mechanismen (Bundesumweltministerium)



Das sind natürlich ganz neue Perspektiven. Vielen Dank.