Der Alptraum eines Umweltschützers

24. Juli 2008 | Von atsil | Kategorie: Biosprit

Die hohen Erdölpreise veranlassen die Allgemeinheit und die Politiker Verfahren anzuwenden, denen sich die Umweltschutzbewegung in den vergangenen 40 Jahren widersetzt hatte.

Paul Kennedy zählt die zahlreichen weltumspannenden Rückentwicklungen auf - wie sie in Reaktion auf die globale Klimaerwärmung und sogar ihr zum Trotz stattfinden:

  • Die allgemeine Rückkehr vieler Regierungen zur Kernkraft - mit Dutzenden von neu geplanten Reaktoren
  • Die Wiederbelebung des Baus von kohlenbeheizten Anlagen in den Industriestaaten
  • Die Rückkehr zur extensiven Holzfeuerung in der Nordhälfte unseres Planeten
  • Die Intensivierung der Brandrodung in den Tropen
  • Die Beibehaltung des Heizens mit Kuhdung und Kerosin in Indien - durch die Ärmsten der Armen.
  • Und die Zunahme von Erdölbohrung und -gewinnung in sensiblen Küstengebieten entlang der Kontinentalhänge in Nordalaska und sogar in großen Arealen in Upstate New York.

Er frägt sich, ob die organisatorischen Kräfte der Umweltschützer in diesen schwierigen Zeiten ausreichen, um sich dieser Entwicklung entgegenzustellen.

Nichtsdestotrotz sieht er das Kernproblem im Ethanol als Benzinalternative:

Denn es gibt ein sehr umstrittenes Bestreben, die Produktion der Energiealternative Ethanol zu steigern - insbesondere in ihrer am wenigsten vernünftigen Ausformung: nämlich durch die Gewinnung des Treibstoffs aus Mais. Nicht nur, daß dieser Umwandlungsprozeß weit weniger effizient ist als derjenige aus Zuckerrohr und nicht nur, daß diese Art von Ethanolgewinnung ganz bestimmte Agrar- und Wirtschaftinteressen bedient, welche diese Produktionsart unverhältnismäßig stark unterstützen - es entsteht dadurch, zumindest in den Vereinigten Staaten von Amerika, ein ganz übler Verdrängungseffekt.

Bei Farmern nämlich im amerikanischen Mittelwesten, die praktisch zu Monokulturalisten werden, indem sie Tausende von Morgen Sojabohnen- und Weizenanbaugebiete in solche für Mais verwandeln und durch das verringerte Angebot der Ersteren deren Preis in die Höhe treiben.

Und er verweist auf

…die Wahrscheinlichkeit der Zunahme politischer und sozialer Unruhen als Konsequenz von Benzinpreis- und Nahrungsmittelteuerungen. Etwas, wovor die Weltbank und das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) seit langem warnen und dem durch die G8-Länder schließlich ein vorrangiger Platz in deren Agendas zugewiesen wurde.

Lesen Sie den ganzen Bericht von Paul Kennedy (auf Englisch in The New York Times)

Paul Kennedy ist J. Richardson Dilworth Professor für Geschichte an der Universität Yale, an der er das Amt des Direktors der „International Security Studies“ innehat. Gegenwärtig schreibt er an einer Geschichte des 2. Weltkrieges.

Ergänzende Links:

(englischsprachige Links finden Sie hier )

Share/Save

Druckerfreundliche Version anzeigen
Tags: , , , , , , , ,

Ein Kommentar
Hinterlasse einen Kommentar »

  1. Biosprit aus auch Zuckerrohr wäre zwar in der Tat eine Teillösung der Energieprobleme, ist aber unsinnig und unmenschlich. Die notwendige Ausweitung des Anbaus einerseits auf ehemals zur Nahrungsproduktion genutzte, andererseits auf bisher der ungestörten Natur überlassene Gebiete gefährdet ganze Populationen durch Lebensmittelverknappung und Zerstörung ihrer Umwelt, so z.B. in Kenia.

    Einen Aufruf von “Rettet den Regenwald e.V.”

    in u.a. Indymedia: http://de.indymedia.org/2008/07/223165.shtml

    zur versuchten Beeinflussung der verantwortlichen Stellen in dem afrikanischen Land mit Hilfe einer vorbereiteten Protestaktion (”nur” unterschreiben und absenden: http://www.regenwald.org/protestaktion.php?id=284 ) sollte allen Interessierten ein Herzensanliegen sein.

    ego

Schreibe einen Kommentar

38 views