Mittelmeer: Die letzten Tage des Blauflossenthun

21. Mai 2008 | Von admin | Kategorie: Read the World!

Am Strand ist wieder einmal die gelbe Flagge gehisst. Es ist windstill auf den Balearen, das Wasser schimmert türkisgrün und ist glasklar. Einige Touristen nehmen ein Sonnenbad, aber keiner traut sich ins Wasser. Quallenalarm. Seit Juni 2006 haben sich in Katalonien zehntausende von Badenden beim Kontakt mit Quallen verletzt…

Die Quallenplage ist auf die Überfischung und die gestiegene Wassertemperatur zurück zu führen und ein Symptom für das ökologische Ungleichgewicht im Mittelmeer. Der Blauflossenthun ist der natürliche Feind der Qualle und ein beliebter Speisefisch auf dem Weltmarkt. Das rote Fleisch ist nicht nur in Japan begehrt als Sashimi, Sushi ist mittlerweile mehr als ein globaler Trend. Etwa 90% des gesamten Fang von Blauflossenthun ist für den Export nach Japan bestimmt, um den unstillbaren landeseigenen Appetit zu stillen.

Die Profitgier der EU-subventionierten Fangflotten führt dazu, dass vielerorts rücksichtslos bis zu 50% Prozent mehr als vereinbart gefischt wird, denn das rote Thunfischfleisch erzielt auf Auktionen wie auf dem weltgrößten Fischmarkt in Tokyo einen Wert bis zu 80 € pro Kilo. Auf dem Tsukiji-Fischmarkt wird der weltweite Marktpreis festgelegt für die hochgehandelte gefrorene Ware, die zum Teil von dort wieder für den Sushi-Verzehr nach Europa und Amerika importiert wird.

In den Gewässern vor den Balearen, dem wichtigsten Laichgebiet des Blauflossenthun sind die Fangmengen seit 1995 laut WWF um 85% gesunken.
Viele Fischereibetriebe in der Region mussten bereits wegen ausbleibender Schwärme schließen. Einige Experten geben dem Überleben dieser bedrohten Thunfischart im Antlantik und Mittelmeer keine 20 Monate. WWF setzt sich ein für drastische Schutzmassnahmen, damit sich die Bestände des roten Thunfisch erholen können.

Auf Druck der Tierschutzorganisation hat die EU nun ein Fangverbot bis Ende des Jahres verhängt, wie EU-Fischereikommissar Joe Borg im September in Brüssel erklärte. Aber ein Fangstopp oder Fanghöchstgrenzen reichen nicht, um die Bestände langfristig zu retten, da die Bewertungen sich an den Prioritäten der Industrie, nicht der Wissenschaft richten, beklagt Arata Izawa von WWF. Schließlich kann ein ausgewachsener Blauflossenthun bis zu 15 Jahre alt und bis zu 4,85 m lang werden und gefangen werden meist junge Schwärme mit etwa einer Länge von 2m.

Auch die Zucht erweist sich nicht als Alternative, da die Jungtiere in Aufzuchtstationen mit 20 kg Futterfisch, vorwiegend Sardinen aus dem Pazifik, gemästet werden. Damit ist nicht nur die Existenz des Thunfisch gefährdet - durch die aggressiven Raubzüge der weltweiten Fischindustrie stehen mittlerweile 90% der Ökosysteme vor dem Kollaps. Meeresbiologen prognostizieren, dass im Jahre 2050 die Weltmeere nahezu ausgeplündert sein werden.

Die einzige Lösung ist der Verzicht auf Sushi und Thunfischsteaks, auch wenn zwangsläufig die Preise immer mehr steigen werden, so dass in die Delikatesse bald von selbst von den Speisekarten dieser Welt verschwinden wird.

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