Schwarzes Wasser - Die Problematik der Militärdienstleister im Irak
27. September 2007 | Von DF | Kategorie: Read the World!Kürzlich war der amerikanische Militärdienstleister Blackwater in den Schlagzeilen, weil seine Angestellten bei einer Schiesserei mehrere Irakis tötete, die laut Darstellung der irakischen Regierung Zivilisten waren. Blackwater hingegen beharrt darauf, dass es sich bei den Todesopfern um Terroristen gehandelt habe, die einen Konvoi amerikanischer Diplomaten angegriffen hatten.
Die irakische Regierung unter Premier Maliki nahm dieses Ereignis zum Anlass, dem Unternehmen die Lizenz zu entziehen, wobei unklar geblieben ist, ob Blackwater überhaupt eine Lizenz der irakischen Regierung gehabt hat, die man der Firma entziehen könnte. dies ist allerdings in den deutschen Medien kaum oder gar nicht erwähnt worden. Überhaupt hat die Berichterstattung über diese Episode einen Großteil der Problematik von PMCs (Private Military Contractors, engl. für Private Militär-Dienstleister) völlig ausgeblendet. Das Problem der Aushöhlung des staatlichen Gewaltmonopols wird allgemein richtig eingeschätzt. Für die Gründe, die überhaupt zur öffentlichen Auseinandersetzung über die Legitimität von PMCs zwischen der irakischen und der amerikanischen Regierung geführt haben, scheint man sich nicht recht zu interessieren.
Dazu sind mehrere Punkte anzumerken:
- Blackwater ist längst nicht der größte Militärdienstleister im Irak. Die Firma steht nichtsdestotrotz geradezu synonym für PMCs (nicht zuletzt, weil sie Blackwater Gear, eine eigene Marke für Militärausrüstung, verkauft). In Danger Room, dem Blog für Verteidigungsfragen des amerikanischen Technikmagazins Wired, erteilte Sharon Weinberger folgerichtig zehn satirische PR-Ratschläge für die Aussendarstellung von Blackwater.
SöldnerAngestellte von Blackwater waren mehrfach in Vorfälle verwickelt, bei denen Irakis (Zivilisten wie auch Soldaten) fahrlässig oder sogar mutwillig beschossen und getötet wurden. Die grobe Fahrweise der von PMCs geschützten Konvois zum Beispiel, mag sie auch der konkreten Bedrohung durch Terrorbanden wie Al Quaeda geschuldet sein, trägt ebenfalls zum wachsenden Groll gegen diese Firmen bei.- Da die irakische Regierung sich bewusst ist, dass sie Forderungen nach einem Abzug der Koalitionsstreitkräfte nur begrenzt äußern kann (das Ergebnis eines Abzugs verspricht schlimmer zu werden als die vergangenen Jahre, vielleicht sogar schlimmer als die Tyrannei Saddam Husseins), sind die allseits unbeliebten PMCs ein ideales Ziel für populäre Statements.
- Die US-Streitkräfte stehen nicht unbedingt positiv zu den PMCs. Es ist bereits mehrmals vorgekommen, dass PMCs irrtümlich Koalitionstruppen unter Feuer nahmen oder unter deren Feuer gerieten. Dies folgt aus der Tatsache, dass sie häufig nicht militärischen Kommandostrukturen untergeordnet sind.
- Dies wiederum ist oft eine Nebenerscheinung der Struktur der amerikanischen Regierung, so überraschend es klingen mag. Die traditionelle Unabhängigkeit des State Department (Aussenministerium) gegenüber dem Pentagon (Verteidigungsministerium) ist per se ein eher sympathisches, weil demokratisches, denn verwerfliches Merkmal der US-Administration. Aber diese Unabhängigkeit schlägt sich auch darin nieder, dass die amerikanischen Diplomaten im Irak eben nicht von amerikanischen Soldaten gegen Terroristen geschützt werden, sondern von hired guns. Eine Folge der mehrere Tage dauernden Betriebspause Blackwaters nach dem Vorfall war, dass viele amerikanische Institutionen in der so genannten Grünen Zone in Bagdad fest saßen und nicht ihren aufgaben im Irak nachkommen konnten.
Es gibt leider kein Patentrezept, wie man sich der problematischen Militärdienstleister entledigen kann, ohne den Wiederaufbau und die Demokratisierung des Iraks zu stören. Zu stark haben sich
diese Firmen mit diesem Projekt verbunden, dass sie selbst immer wieder beschädigen.

