Warum Ärzte ohne Grenzen gegen eine Flugverbotszone sind
23. August 2007 | Von nikal | Kategorie: Read the World!Julie Flint beschreibt in der New York Times, warum die von vielen geforderte Flugverbotszone über Darfur eine gefährliche Idee ist. (kostenpflichtiger Link)
Wie so vieles in dem langen Krieg in Darfur hat auch die Frage nach einem Flugverbot keine so klare Antwort, wie es uns die große Rhetorik zb Hillary Clintons weiß machen will. Im Gegenteil. Für die Bewohner Darfurs kann eine Flugverbotszone lebensgefährlich sein!
Für die Regierung in Khartum (die davon ausgeht, die Hilfsorganisationen seien nur von den westlichen Regierungen geschickt um einen Regimewechsel herbeizuführen) wäre ein Flugverbotszone ein willkommenes (Propaganda-) Mittel, die Arbeit dieser Organisationen zu sabotieren.
Durch die Rebellen, die im ganzen Land verteilt sind, sind viele hilfsbedürftige Menschen von einer Versorgung aus der Luft abhängig. Manche Organisationen bringen mehr als 90% ihrer Güter per Luft in die abgeschlossenen Gegenden. Die Hilfsorganisationen befürchten, dass Khartum auch ihre Hilfsflüge unterbinden würden und sie im schlimmsten Falle des Landes verwiesen werden würden.
Dies würde erneut schlimmen Hunger und Krankheiten über die Bewohner Dafurs bringen.
Abgesehen von diesen Problemen geht die Forderung nach einer Verbotszone auch weit an den Realitäten vorbei: Die größte Bedrohung für die Menschen kommt schon lange nicht mehr aus der Luft, sondern vom Boden aus, von Kämpfen, die hier und nicht über den Wolken stattfinden. Ein Stoppen von militärischen Flügen würde in diesem Punkt für die Einwohner Darfurs keinen Unterschied machen. Aber es würde die Lebensader der Region abschneiden!
All die lauten Befürworter einer Flugverbotszone sollten also auch in Wahlkampfzeiten auf medienwirksame Forderungen verzichten und sich darauf konzentrieren, sich den wahren Problemen Darfurs zu stellen. Statt sich auf Nebenschauplätzen zu verlieren, sollten sie sich bemühen, die Situation da zu ändern, wo Änderungen erforderlich sind: auf dem Boden!

