Im nordkoreanischen Gulag geboren

15. August 2007 | Von andreas | Kategorie: Support Humanity!

Die International Herald Tribune beschrieb kürzlich die Zustände in nordkoreanischen Arbeitslagern anhand eines dort geborenen und aufgewachsenen Augenzeugen. Die Informationen stammen aus Aussagen des möglicherweise ersten überlebenden Flüchtlings der Gulags. Der Artikel hat im deutschsprachigen Raum bislang wenig Resonanz hervorgerufen. Fairplanet fasst den von Choe Sang-Hun verfassten Text zusammen.

Camp Nr. 14 ist ein Arbeitslager, ein so genanntes Gulag, in Kaechon/ Nordkorea. Es ist der Geburtsort von Shin Dong Hyok.
Camp Nr. 14 ist eines der Lager, in die Gefangene zum Sterben geschickt werden. Es wird nicht einmal mehr Energie in ihre Umerziehung gesteckt, sie arbeiten einfach in Minen und auf Feldern, 21 Stunden am Tag, bis sie sterben.

Shins Eltern, Shin Kyong Sup und Chang Hye Kyong, waren Gefangene dieses Lagers. Sie wurden „zusammengeführt“, in einer so genannten „award marriage“, als „Belohnung für gute Arbeit“. Shin wurde 1982 geboren, sein älterer Bruder 1974. Bis zum Alter von 11 Jahren dürfen Kinder bei ihren Müttern bleiben, danach werden sie in Gemeinschaftsbaracken untergebracht. Die Kinder gehen zur Schule, sie lernen ein wenig rechnen, schreiben und lesen. Nach der Schule arbeiten sie in Minen und auf den Feldern.
Shin wusste sehr lange nicht, dass dies nicht das Leben ist, das alle Kinder dieser Welt leben. Er wusste nicht einmal, dass es überhaupt eine Welt gab.

1996 wurden Shins Mutter und Bruder der Flucht angeklagt und hingerichtet. Shin und sein Vater wurden 7 Monate lang gefoltert, da man annahm, sie wären in die Pläne eingeweiht gewesen. Während der Folterungen erfuhr Shin, warum er und seine Familie eingesperrt waren: seine Onkel väterlicherseits hatten mit der Südkoreanischen Armee kollaboriert im Koreanischen Krieg. Shin und die Familie seines Vaters gehörten zur „hostile class“, eine Kategorie, die Bestrafung über drei Generationen hinweg bedeutet.

Fast 10 Jahre nach diesen Ereignissen gelingt Shin die Flucht. Am 2. Januar 2005 sammeln er und ein Mitgefangener Feuerholz und in einem unbeobachteten Moment rennen sie los. Shins Freund fällt in den Elektrozaun, er bleibt bewusstlos liegen. Shin klettert über ihn durch das Loch im Zaun und rennt um sein Leben. Im Juli erreicht er China. Im Februar 2006 beantragt er Asyl in der Südkoreanischen Botschaft in Shanghai, im August kommt er in Seoul an. Er ist der erste bekannte Nordkoreaner, dem je die Flucht aus einem der Gulags nach Südkorea gelungen ist.

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