Memoiren eines Kindersoldaten

5. Juli 2007 | Von ml | Kategorie: Read the World!

Ishmael Beah war zwölf, als er den ersten Menschen ermordete. Damals war er Kindersoldat für die Regierungsgruppen in Sierra Leone. Heute ist er das Gesicht und die Stimme der Tausenden geworden, mit denen er dieses Schicksal teilt. Denn Beah hat ein Buch veröffentlicht, in dem sich der heute 27-Jährige seine Lebensgeschichte aufgeschrieben hat. „Rückkehr ins Leben“ heisst es, und es schildert, wie aus der Bürgerkriegswaise Beah ein Kindersoldat wurde.


All diese Erlebnisse konnte Beah aus sicherer Distanz verarbeiten – denn im Alter von 15 Jahren entkam er, gelangte mit Hilfe der UNICEF in ein Rehabilitationszentrum entkommen und wurde schließlich in New York adoptiert.

Schmerzhaft sei es gewesen, sich mit den verdrängten Erlebnissen nochmals auseinanderzusetzen, sagte Beah in einem CBC-Interview. Doch er habe stets gewusst, dass es wichtig ist, diese Geschichte aufzuschreiben, erzählte er weiter:

“I wanted to put a human face to what seemed so distant for a lot of people and to make it clear that all human beings are capable of losing their humanity if they find themselves in circumstances that most people in my country found themselves. Equally and more importantly, I wanted to show that children can fully regain their lives after they have been pressed or used in wars if given the right support and help.”

Und mit diesem Zielen ist Beah tatsächlich zu vielen Menschen vorgedrungen. Vertrieben über die gutmenschelnde Kaffeehauskette „Starbucks“ schnellte das Buch in den USA auf Platz eins der Bestsellerlisten, auch in Deutschland gibt es Interesse an seiner Geschichte. Vom afrikanischen Bauernjungen zum studierten New Yorker – vor allem aber vom Mörder zum Medienstar. „Ja, er war ein Killer, aber er hatte vorher seine Würde“, sagt Beahs Verlegerin und Co-Autorin Sarah Crichton im Gespräch mit Spiegel Online. Auch deshalb sei das Buch so angelegt, dass die Leser Beah „kennen lernen, bevor er in die Kämpfe hineingeht, dass sie verstehen, dass da sehr viel mehr ist als die Morde.“ Zweifel am Wahrheitsgehalt seiner Geschichte hat Crichton nicht – ebenso wenig wie die UNICEF, bei der Beah an der Initiative „Stimme der Jugend“ beteiligt ist.

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