Subventionen gegen Existenzen
2. Juni 2007 | Von jmi | Kategorie: Read the World!Die Auswirkungen der Industriefischerei konnte ich 2005 im Senegal mit eigenen Augen und Ohren erfahren. Nun hat vergangene Woche der Spiegel (Totes-Holz-Ausgabe) über die dramatische Entwicklung für die einheimischen Fischer berichtet (€; „Hausmitteilung“), und zwar aus Mbour an der wunderschönen „petite côte“ südlich von Dakar, an der ich mich damals eine Woche aufhielt:
Denn sosehr sich der Junge auch abstrampelt, um zum ersten Mal in seinem Leben die Fische ins Netz zu treiben – es reicht nicht mehr zum Überleben. Seit die Flotten der Toubabs, der Weißen, die Fanggründe beherrschen, sind die Kleinfischer chancenlos. In riesigen Netzen, geleitet von empfindlichen Sonargeräten, ziehen die Industrietrawler vor der Küste Westafrikas das Leben aus dem Meer. Bis zu 2000 Tonnen Fisch fassen manche dieser schwimmenden Fabriken. Dafür brauchte Kapitän Badou Jahrzehnte.
Dabei, so der Spiegel, seien die Fabrikschiffe aus der EU, aus Japan und den USA vor allen Dingen durch Zuschüsse und indirekte Subventionen im Vorteil. Und was die Fabrikschiffe der Industriestaaten nicht schaffen, dabei helfen Piratenfischer nach, illegale Fischtrawler, die in der ganzen Welt ohne Lizenz die Bestände leer fischen.
Die Konsequenz: Junge Einheimische, so habe ich es 2005 im Süden der Petite Côte erlebt, nutzen die ursprünglich zur Fischerei gebauten Pirogen immer häufiger für andere Erwerbsmöglichkeiten, zum Beispiel den Schmuggel von steuerlich günstigeren Produkten aus dem 100 km entfernten Banjul, der Hauptstadt Gambias. Oder nehmen gleich Kurs auf auf Europa, via dem Vorposten Kanarische Inseln.
Auch für andere einheimische Landwirtschaftsbranchen sieht es nicht besser aus: Belgier und Holländer können Hühnchenfleisch laut Spiegel dank subventionierter Futtermittel günstiger liefern als einheimische Bauern. Internationale Nahrungsmittelkonzerne sind ohnehin allgegenwärtig: In Städten wie Dakar oder Kaolack bieten die Verkäufer an der nächsten Straßenecke längst Nescafé statt einheimischer Kaffeeprodukte an, und selbst in kleinen Dörfern zieren die Werbe-Anstriche von Nestlés Tochtermarke Maggi noch fast jeden Laden.


