Prioritäten setzen
20. November 2006 | Von Josef Reich | Kategorie: Genozid in Darfur, RhetorikHenryk Broder schreibt auf achgut.de:
Der ganz andere Völkermord
Was in Darfur passiert, ist längst kein Geheimnis: ein Völkermord.
Dass der Völkermord bestenfalls Nachrichten, aber keine Schlagzeilen produziert, hat damit zu tun, dass weder Amis noch Israelis als Täter involviert sind und weder Imperialismus noch Zionismus angeklagt werden können. Wenn Moslems andere Moslems massakrieren, ist das ein Familienkonflikt, aus dem sich unsere Friedensfreunde und Gutmenschen vornehm raushalten. Es ist auch eine Frage der Prioritäten. Es muß Geld für den “Widerstand” im Irak gesammelt, das Recht des Iran auf atomare Bewaffnung propagiert und das Selbstverteidigungsrecht der Hisbollah verteidigt werden. Das kostet Kraft und Zeit, da bleibt für die armen Nescher in Darfur nix übrig.
Oh Gott, Henryk Broder! Übertreibt der nicht manchmal? Wieder mal drischt er auf die “Friedensbewegung” ein, diesmal weil die sich scheinbar nicht allzu viel aus dem Genozid in Darfur macht. Über wenn wollen wir uns ärgern? Über die Chuzpe Broders oder die tatenlose Friedensbewegung? Am besten wäre es, wir würden uns über den Genozid in Darfur “ärgern”, tatsächlich auf die Straße gehen, von der deutschen Regierung Wirtschaftssanktionen und einen Olympia-Boykott gegen China verlangen und ewig-lange, gemütlich-herbstliche Sit-ins vor der chinesischen Botschaft abhalten, mit einer einzigen Forderung: “Bringt die Machthaber im Sudan dazu, den Völkermord in Darfur zu beenden. Ihr, liebe Chinesen, seid dazu in der Lage!”

